Lithium
Nachhaltigkeit

Lithium aus Deutschland – bald schon Realität?

FacebookTwitterLinkedinEmail

Die Reaktion der wichtigsten Industrieländer auf die Klimakrise ist die ökologische Transformation hin zu erneuerbaren Energien, energieeffizienten Gebäuden oder Elektromobilität. Doch diese klimafreundlichen Lösungen benötigen Ressourcen, die oft über weite Strecken transportiert werden müssen und überdies knapp und zunehmend teuer sind. So hat sich der Preis für Lithiumkarbonat zwischen 2004 und 2018 verzehnfacht. Unternehmen wie die Deutsche Lithium GmbH oder das Projekt UnLimited arbeiten hier an einer anderen Lösung: Lithium aus Deutschland. 
 

Das Osterzgebirge trägt seine Bergbautradition im Namen: Schon seit dem Mittelalter werden dort metallische Erze abgebaut. Und im 18. Jahrhundert schließlich wurden Uranerz-Vorkommen entdeckt und über Jahrzehnte von der DDR-Wirtschaft ausgebeutet. Doch seit der Deutschen Einheit ist es ruhig geworden um diese Tradition. In den kommenden Jahren könnte sich das wieder ändern. 

Die Deutsche Lithium GmbH aus dem sächsischen Freiberg und weitere Unternehmen erkunden seit 2010 die Lithium-Vorkommen in der Region. Konkret wollen die Freiberger in Zinnwald einen Untertage-Bergbau eröffnen, um bis zu 125.000 Tonnen des Alkalimetalls zu fördern. Die Region – das ergaben die Erkundungen – ist eine der größten Lagerstätten Europas für den oft als weißes Gold beschriebenen Rohstoff. 

Durch die Wende hin zur Elektromobilität mit Lithium-Ionen-Batterien ist Lithium zu einem der gefragtesten Rohstoffe weltweit geworden. Bisher dominiert Australien den Markt: Down Under wird das Leichtmetall im offenen Tagebau gefördert - etwa 40.000 Tonnen pro Jahr. Weitere Abbaugebiete sind Chile (18.000 t), Argentinien (6.200 t) oder Brasilien (1.900 t).  

In diesen Regionen Südamerikas wird das Lithium aus Salzseen gewonnen – nach zahlreichen Verdunstungsschritten ist die Lithium-Konzentration so weit erhöht, dass sich das Herausfiltern lohnt. Der Nachteil bisheriger Fördermethoden: Der Wasserverbrauch bei der Sole-Förderung ist relativ hoch und die Lieferwege von Südamerika oder Australien nach Deutschland sind lang. Zumal das geförderte Metall auch noch in China aufbereitet werden muss.  

Die gestiegenen Preise und die gleichzeitig erwartete große Nachfrage machen mittlerweile sogar die einheimische Lithium-Förderung attraktiv: Das im Erzgebirge vorhandene Lithium-Potenzial reicht theoretisch für 20 Millionen Elektroautos. Laut Benchmark Minerals könnte sich der Hunger auf Lithium bis 2028 verzehnfachen – dann läge der Jahresbedarf im gleichen Jahr schon bei 1,6 Millionen Tonnen.  

 

Förderung aus Thermalwasser 

Doch neben der Lagerstätte im Erzgebirge gibt es in Deutschland ein weiteres, großes Lithium-Vorkommen: Im Oberrheingraben verbirgt sich das weiße Gold im Thermalwasser. Der Energieversorger EnBW AG ist am Innovationsprojekt UnLimited zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie, der Universität Göttingen und den Unternehmen BESTEC und Hydrosion beteiligt. In Bruchsal steht dafür eine Geothermie-Anlage, die seit Jahren Thermalwasser fördert (90 Liter Wasser pro Stunde), und diesem Wasser Wärme entzieht. Mit dieser wird u.a. die nahegelegene Bereitschaftspolizei versorgt.

Mit Klick auf „Video laden“ stimmen Sie zu, dass YouTube Cookies setzt und Daten (z.B. IP-Adresse) erhebt, die auch der Analyse des Nutzungsverhaltens, zum Ausspielen individualisierter Werbung im Google Werbenetzwerk oder der Verknüpfung mit einem Google-Konto dienen und in Drittländer (z.B. USA) übertragen werden können. Die Einwilligung ist freiwillig und jederzeit über unsere Cookie-Einstellungen widerrufbar. Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und bei Google.

Mittlerweile arbeiten die Forscher aber daran, diesen Prozess zu erweitern und dem Wasser durch ein chemisches Verfahren auch die Lithiumionen zu entziehen. Das Thermalwasser wird im Anschluss übrigens wieder zurück in den Untergrund gebracht und dort von Erdwärme neu temperiert. 

Ein ähnliches Vorhaben, Geothermie und Lithium-Förderung im Oberrheingraben zu kombinieren, treibt auch das deutsch-australische Cleantech-Unternehmen Vulcan Energy Ressourcen voran. Das Ziel: Lithium mit einer Effizienz von 70 Prozent aus dem Thermalwasser holen. 

Gelingen die Abbau-Vorhaben im Erzgebirge und Oberrheingraben, stünde der klimaneutralen Gewinnung von Lithium aus Tiefenwasser nichts im Wege. Bis es soweit ist, werden aber noch ein paar Jahre vergehen: Mitte der 20er Jahre könnte es aber wirklich soweit sein. 

 

(Grafik: By Luca Galuzzi (Lucag), edit by Trialsanderrors - Photo taken by (Luca Galuzzi) * http://www.galuzzi.it, CC BY-SA 2.5, 
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1820055)

Video: Lithium umweltfreundlich gewinnen | EnBW)

Martin Jendrischik