Saldierender Zähler: Was ist das und wann wird er benötigt?
Ein saldierender Zähler verrechnet die Stromeinspeisung und den Strombezug über alle drei Phasen des Hausanschlusses mathematisch miteinander. Diese Verrechnung ist eine wesentliche Grundlage für die Ermittlung des tatsächlichen Eigenverbrauchs bei der Nutzung von Photovoltaikanlagen und Stromspeichern.
Der folgende Beitrag erläutert die Funktionsweise saldierender Zähler, die technischen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen auf die Messung und Abrechnung des Strombezugs.
Was ist ein saldierender Zähler?
Ein saldierender Zähler ist ein Messgerät, das die Stromeinspeisung und den Strombezug über alle drei Phasen eines Hausanschlusses mathematisch zusammenfasst und gegeneinander aufrechnet. Der Begriff leitet sich vom italienischen Wort saldare („ausgleichen“ bzw. „festmachen“) ab. Im Gegensatz zu nicht-saldierenden Zählgeräten wird die Strombilanz über den gesamten Hausanschluss summiert betrachtet, unabhängig davon, auf welcher einzelnen Phase Strom eingespeist oder verbraucht wird.
In der Messtechnik kommen je nach Anwendungsbereich unterschiedliche Zählertypen zum Einsatz:
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Ertragszähler: Erfasst ausschließlich die von der Photovoltaikanlage insgesamt erzeugte Strommenge.
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Einspeisezähler: Misst rein die Menge des ins öffentliche Netz eingespeisten Überschussstroms.
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Zweirichtungszähler: Erfasst Einspeisung und Bezug in zwei getrennten Zählwerken. Die phasenübergreifende Verrechnung (Saldierung) erfolgt bei modernen elektronischen Zweirichtungszählern intern, sofern sie als saldierende Zähler ausgeführt sind.
Wie funktioniert ein saldierender Zähler?
Das Funktionsprinzip eines saldierenden Zählers basiert auf der zeitgleichen Verrechnung der Stromflüsse aller drei Außenleiter (Phasen) eines Hausanschlusses.
Bei einer nicht-saldierenden Messung wird jede Phase isoliert erfasst. Speist eine Photovoltaikanlage beispielsweise auf der ersten Phase Strom ein, während zeitgleich ein elektrischer Verbraucher auf der zweiten Phase Strom zieht, registriert die Messeinrichtung ohne Saldierung parallel eine Einspeisung und einen kostenpflichtigen Netzbezug.
Ein saldierender Zähler fasst die Leistungswerte aller drei Phasen zu einem Gesamtwert zusammen:
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Übersteigt die Erzeugung auf allen Phasen den zeitgleichen Gesamtverbrauch der Geräte im Haus, verbucht der Zähler ausschließlich eine Überschusseinspeisung.
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Ist der Gesamtverbrauch höher als die erzeugte Strommenge, wird lediglich die verbleibende Differenz als Netzbezug erfasst.
Die technische Vorgabe zur phasensaldierenden Messung bei modernen Messeinrichtungen ist in den Anwendungsregeln des VDE (u. a. VDE-AR-N 4400) sowie den Richtlinien der Bundesnetzagentur für den Messstellenbetrieb geregelt.
Ein saldierender Zähler verrechnet Verbrauch und Einspeisung innerhalb einer Phase, während ein Zweirichtungszähler den Stromfluss in zwei getrennten Richtungen misst.
Wann wird ein saldierender Zähler benötigt?
Ein saldierender Zähler ist bei Photovoltaikanlagen mit Überschusseinspeisung oder Eigenverbrauchsoptimierung erforderlich. Die phasensaldierende Messung stellt sicher, dass der selbst erzeugte Strom auch dann rechnerisch genutzt werden kann, wenn Erzeugung und Verbrauch auf unterschiedlichen Phasen stattfinden.
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Betrieb von Stromspeichern: Bei der Einbindung eines Batteriespeichers erfasst das Energiemanagementsystem den Gesamtzustand des Hausanschlusses. Der Speicher speist Energie auf der vorgesehenen Phase ein, um den phasensummierten Netzbezug auf Null zu regeln.
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Konzepte zur Nulleinspeisung: Bei Anlagen, die technisch keine Energie in das öffentliche Netz einspeisen dürfen oder sollen, dient die Saldierung als Regelungsbasis zur Steuerung der Wechselrichterleistung.
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Einphasige Wechselrichter: Da Wechselrichter bis zu einer Leistungsgrenze von 4,6 kVA einphasig einspeisen dürfen, stellt die saldierende Messung sicher, dass diese Einspeisung mit dem drei-phasigen Verbrauch im Haushalt verrechnet wird.
Wie wird der saldierende Zähler abgelesen?
Die Ablesung eines elektronischen saldierenden Zählers (in der Regel ein moderner Zweirichtungszähler) erfolgt digital über das Display des Geräts. Die Zählerstände werden getrennt nach Energieflussrichtungen ausgewiesen:
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Zählwerk 1.8.0: Erfasst den gesamten phasenverrechneten Strombezug aus dem öffentlichen Netz.
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Zählwerk 2.8.0: Erfasst die phasenverrechnete Überschusseinspeisung in das öffentliche Netz.
Für die jährliche Abrechnung mit dem Messstellenbetreiber oder Energieversorger sind diese beiden Kennzahlen maßgeblich, da die phasensaldierte Verrechnung bereits kontinuierlich innerhalb des Zählers stattfindet.
Eigenschaften und betriebliche Auswirkungen
Die Gegenüberstellung der Eigenschaften phasensaldierender Zählverfahren verdeutlicht die technischen und finanziellen Unterschiede gegenüber nicht-saldierenden Messkonzepten:
Betriebliche Merkmale der phasensaldierenden Messung:
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Phasenunabhängige Anrechnung: Erzeugung und Verbrauch werden unabhängig von den genutzten Außenleitern verrechnet.
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Reduzierung des getrennten Ausgleichs: Im Vergleich zu nicht-saldierenden Systemen verringert sich die Menge des gleichzeitig als Bezug und Einspeisung gewerteten Stroms.
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Kompatibilität mit Speichersystemen: Phasensaldierende Daten bilden die Erfassungsgrundlage für die Steuerung von Batteriespeichern.
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Erfassung des Summenstroms: Der Zählerstand spiegelt den phasenverrechneten Netto-Energiefluss am Hausanschluss wider.
Aspekte bei Installation und Umrüstung:
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Kosten bei Zählerwechsel: Bei einem vorzeitigen Austausch nicht-saldierender Zähler außerhalb des regulären Wechselturnus können Entgelte durch den Messstellenbetreiber anfallen. Die Preisobergrenzen richten sich nach den Vorgaben des Messstellenbetriebsgesetzes (MsBG).
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Netzbetreiberspezifische Messkonzepte: Abhängig von der Anlagenschaltung (z. B. bei der Kombination von PV-Anlage mit Wärmepumpenstrom) schreibt der Netzbetreiber spezifische Zählerkaskaden vor, die den Einsatz oder die Einbindung spezifischer Zählertypen vorgeben.
Fazit
Phasensaldierende Zähler bilden die messtechnische Grundlage für die phasenunabhängige Anrechnung von erzeugter und verbrauchter Energie am Hausanschluss. Die Verrechnung der Außenleiter erlaubt die Erfassung des tatsächlichen Netto-Netzbezugs sowie den Betrieb von Stromspeichern. Bei der Auswahl und Installation des Messkonzepts sind die jeweiligen Vorgaben des Messstellenbetreibers sowie die Bestimmungen des Messstellenbetriebsgesetzes (MsBG) maßgeblich.