Ein Ende der Einspeisevergütung für Solarstrom?

Ein Deckel beschäftigt Deutschland. Bei einer installierten Photovoltaik-Leistung von 52 Gigawatt soll Schluss sein mit der Einspeisevergütung. So sieht es das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in seiner aktuellen Form vor. Das ist nicht mehr lange hin, die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht zum Beispiel davon aus, dass es sogar bis Sommer 2020 schon so weit sein wird. Was würde das für Hausbesitzer bedeuten, die mit dem Gedanken spielen, sich mit einer Photovoltaik-Anlage selbst mit Strom zu versorgen? Sie bekommen dann für den erzeugten Solarstrom, den sie nicht selbst verbrauchen können und daher ins Stromnetz einspeisen, keine gesetzlich festgelegte und garantierte Einspeisevergütung mehr. Das heißt, sie müssen sich darum bemühen, einen Abnehmer für diesen Strom zu finden, oder sie können nicht mehr einspeisen, und die Anlage muss entsprechend abgeregelt werden.

Diese Deckelung des geförderten Ausbaus der Solarenergie im EEG stößt zurzeit auf massive öffentliche Kritik. Das Ziel von 52 Gigawatt erscheint ziemlich willkürlich und die Deckelung passt nicht zur gegenwärtigen Debatte um den Klimaschutz. Die Wissenschaftler des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien (FVEE) haben darauf hingewiesen, dass zum Erreichen der Klimaschutzziele die 52 GW an Photovoltaikanlagen bei Weitem nicht ausreichen und wir bis 2050 eine installierte Leistung von 120 bis 500 GW benötigen. Darüber hinaus sind die wirtschaftlichen Gründe für den Deckel durch die deutlichen Preissenkungen für PV-Anlagen und das massive Absenken der Einspeisevergütung längst entfallen. Neuanlagen spielen für die Höhe der EEG-Umlage keine Rolle mehr.

Auch wenn eine politische Diskussion im Gange ist und das Gesetz vorsieht, dass die Bundesregierung „rechtzeitig“ vor Erreichen des Deckels einen „Vorschlag für eine Neugestaltung der bisherigen Regelung“ vorlegen muss, müssen wir gegenwärtig davon ausgehen, dass es bald keine Einspeisevergütung mehr für den erzeugten Solarstrom gibt.

 

Solarstrom lohnt sich immer

 

Das klingt erstmal nicht gut, und aus der Solarbranche kommen viele Warnungen vor den negativen Folgen des Deckels für PV-Anlagen. Für den Hausbesitzer stellt sich die Situation aber etwas anders dar. Bereits heute ist angesichts der mageren Einspeisevergütung der Eigenverbrauch des Solarstroms die ökonomisch sinnvollste Variante. Denn jede zugekaufte Kilowattstunde Strom kostet mittlerweile mehr als 30 Cent. Diese Kosten zu vermeiden, sollte das erste Ziel sein. In Zukunft wird es also noch wichtiger als heute, den Eigenverbrauch deutlich zu steigern. Eine Photovoltaikanlage ohne Stromspeicher macht dann überhaupt keinen Sinn mehr – beides gemeinsam dagegen umso mehr. Denn an den steigenden Strompreisen wird der Deckel nichts ändern, und dem Klimaschutz erweist die Politik so erneut einen Bärendienst. Die Devise heißt: Macht euch unabhängig, auch von willkürlichen politischen Entscheidungen wie diesen und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Und wer auf die Einspeisevergütung trotzdem nicht verzichten möchte, sollte sich auf jeden Fall beeilen.

 

Eine kurze Geschichte der Einspeisevergütung

 

Neben der Abnahmeverpflichtung für Strom aus erneuerbaren Energien war es vor allem die im EEG festgelegte Vergütung für Photovoltaikanlagen und andere erneuerbare Energien, die den Ausbau der erneuerbaren Energien für die Stromerzeugung beflügelt hat. Das Prinzip ist einfach: Wer Solarstrom ins Netz einspeist, bekommt eine Vergütung für jede Kilowattstunde, und das 20 Jahre lang. Diese Vergütung zahlt der Netzbetreiber, der den Strom abnimmt. Er wiederum holt sich die Mehrkosten über den Strompreis wieder zurück, dazu gibt es die sogenannte EEG-Umlage. Wie hoch diese Einspeisevergütung ist, wird im EEG festgelegt. Damit sollte ein wirtschaftlicher Anreiz für Hausbesitzer geschaffen werden, sich eine Photovoltaikanlage zuzulegen. Denn diese waren früher noch ziemlich teuer. Um einen Kostendruck zu erzeugen, war von Anfang an klar, dass die Vergütung jährlich sinkt. Bekamen Betreiber einer PV-Anlage zu Beginn des Jahrhunderts etwa 50 Cent pro Kilowattstunde, sank dieser Betrag in den letzten Jahren immer weiter. Heute liegt die Einspeisevergütung für Strom aus Photovoltaik noch bei etwas mehr als 10 Cent. Das passt, weil die Preise für Photovoltaikanlagen in dieser Zeit deutlich zurückgegangen sind, und der Eigenverbrauch immer wichtiger wird. Mit der letzten EEG-Novelle im Jahr 2017 hat der Gesetzgeber dann den Deckel für PV-Anlagen eingeführt. Das erscheint angesichts der aktuellen Debatten um Klimaschutzziele dann doch fragwürdig. Auf der anderen Seite sprechen mittlerweile ganz andere ökonomische Argumente für die Photovoltaik.

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Ein Deckel kann durchaus sinnvoll sein, etwa beim Kochen. Ein Deckel für Photovoltaik ist aber eher keine gute Idee.

Foto: Becca Tapert / Unsplash

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ÜBER DEN AUTHOR

Dr. Stefan Dietrich

Seit 2005 in Sachen Kommunikation für Erneuerbare Energien unterwegs und nach wie vor mit Begeisterung dabei. Bei SENEC zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, und ab und an auch fürs Bloggen. Auch privat viel online, aber eher lesend und darüber nachdenkend. Ich äußere mich ja dienstlich schon den ganzen Tag ;-)